Gottesdienst zum Sonntag des Judentums
aus der ref. Erlöserkirche,
Wien-Favoriten, 17. Jänner 2021
mit Kurator Robert Colditz und Pfr. Johannes Wittich
Vorspiel: Martin Seidl: Avinu MaléknuSpruch: Nehemia 8,10:Und seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn, sie ist eure Zuflucht! Begrüßung:Die „Freude am Herrn“, die verbindet ChristInnen und JüdInnen. Am heutigen „Sonntag des Judentums“ wollen wir uns dieser und auch vieler Gemeinsamkeiten gewusst werden. Gerade in Zeiten wie diesen können wir von unseren jüdischen Geschwistern lernen: den Umgang mit Herausforderungen und Leid, dem Glaube und Gottvertrauen entgegen gestellt werden können. Und, wie schon im musikalischen Vorspiel angeklungen: die „Freude am Herrn“, Lebensfreude, allen Einschränkungen zum Trotz. der Klezmer Im Namen Gottes, der väterlich und mütterlich das Volk Israel zum Vorbild für alle mit Weisung leitet, unseres jüdischen Bruders Jesus, dem wir unsere Erlösung durch Aufnahme in den göttlichen Bund verdanken und der heiligen Geistkraft, die uns inspiriert zu Harmonie in der Verbundenheit mit allen und allem Geschaffenen und der Schaffenskraft selbst. Amen. Psalm: Wir beten mit den Worten des 111. Psalms: Hallelujah.1 Ich will den Herrn preisen von ganzem Herzen, Lied: Martin Seidl: Evangelisches Gesangbuch 434: Shalom ChaverimPredigttext: Jeremia 31, 31-34 (Zürcher Bibel):31 Sieh, es kommen Tage, Spruch des Herrn, da schliesse ich einen neuen Bund mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda, Predigtteil 1 (Johannes Wittich) Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder! Wir begehen heute den „Sonntag des Judentums“. Es ist wichtig, dass wir Christinnen und Christen uns unserer Wurzeln bewusst sind, und die liegen nun einmal im Judentum. Ebenso wichtig ist es, dass wir an einem Tag wie dem heutigen unser Verhältnis zu unseren jüdischen Glaubensgeschwistern reflektieren, eine Geschichte von Schuld, aber auch von Versöhnen, Annäherung und weiter wachsendem gegenseitigen Respekt. So wurde der Predigttext für den heutigen „Sonntag des Judentums“ vom unserem reformierten Landessuperintendenten ausgewählt – und eine Rabbinerin aus Deutschland hat dazu für uns Christinnen und Christen einen Kommentar, eine Erklärung geschrieben. Aus jüdischer Sicht, die wir sehr ernst nehmen müssen, den schließlich ist der erste Teil unserer Bibel zunächst einmal das heilige Buch des Judentums. Wie sieht also nun Rabbinerin Treiger unseren heutigen Bibeltext? Für sie ist der zentrale Begriff in ihm der des „Bundes“. Gott schließt Verträge, mit einzelnen Menschen wie Noah, Abraham, Isaak und Jakob, aber eben auch mit einem ganzen Volk, seinem Volk, den Israeliten. Gott will Menschen als gegenüber, damit er überhaupt Gott sein kann, und er begegnet ihnen „auf Augenhöhe“ insofern, als dieser Bund jeweils auf Gegenseitigkeit beruht. Gott verpflichtet sich zu etwas, verspricht etwas, und im Gegenzug gilt das auch für seine menschlichen Partnerinnen und Partner. Dieser Bund kann jederzeit aufgekündigt werden, und wird es in der Geschichte der Israeliten auch immer wieder, allerdings vom Volk Israel, nämlich immer dann, wenn es auf die Gebote Gottes pfeift. Dann, so die Botschaft der Bibel, sieht sich auch Gott dem Volk gegenüber nicht mehr verpflichtet. Das Nicht-Einhalten von menschlicher Seite ist der erste Schritt in die Katastrophe, durch Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Benachteiligung der Schwachen und Machtgier der Herrschenden. Dem folgt zwangsläufig die viel größere Katastrophe, nämlich dass Gott seine Unterstützung dem Volk entzieht. Jeder Bund ist daher im Prinzip ein vorläufiger, bis auf den Bund, den Jeremia hier beschreibt. Predigtteil 2 (Robert Colditz) Das wäre eine wirkliche Sensation, wenn nicht nur Gott, sondern auch die Menschen den Bund nicht mehr brechen könnten. Genau das fühlen die Menschen, die den Bund, also in ihrem Fall die Tora nach der Rückkehr aus dem katastrophalen Exil nach Israel vorgelesen bekommen. Die Gefühle brechen aus ihnen heraus, sie beginnen zu weinen und werden durch die Worte, die wir als Spruch am Anfang unseres Gottesdienstes gelesen haben, getröstet. Vielleicht ist diese intensive Gefühlsmischung aus Ehrfurcht und Freude die Beschneidung des Herzens, von der Jeremia hier spricht und auch die Tora in Deuteronomium 30,6, die im Judentum immer am Schabbat vor dem Neuen Jahr gelesen wird. Menschen werden in ihren Herzen von Gott berührt und das führt dazu, dass sie es neu im Sinne von innovativ, also einfallsreich schaffen tatsächlich nach den Weisungen des Bundes mit Gott zu leben. Das ist also eine Sensation, ja, jedes mal wenn wir in unserem Herzen von Gott berührt werden. Rituale können dafür keine Garantie, aber eine Offenheit schaffen: im Judentum z.B. die Erneuerung des Bundes zu Rosch haSchana, dem Neujahrsfest, im Christentum z.B. die Vergewisserung des Bundes in der Feier des heiligen Abendmahls. Dann verstehen wir, was Jeremia mit dem Bund gemeint hat, den er so eindrücklich beschreibt. Wir sehnen uns nach diesem Zustand, in dem der Bund in keiner Weise mehr gebrochen wird. Der ist noch nicht eingetroffen. Auch nicht durch den neuen Bund den wir Christinnen und Christen durch Jesus mit Gott haben. Aber sowohl jüdischer- als christlicherseits können wir erleben, dass es diesen Bund mit Gott gibt und wenn wir Vergebung und Innovation in unseren Beziehungen untereinander und mit Gott erfahren und uns dem gemäß verhalten, immer mehr für uns wirklich wird. Und irgendwann ist es nicht mehr vorläufig, sondern hält die Gottesberührung einfach an. Gebet (Robert Colditz):Gott, Unser Vater … Segen:Der Herr segne dich und behüte dich, Nachspiel: Martin Seidl: A nakht in gan eydn |